• Vanessa Stammnitz

Scrum, PRINCE2, ITIL – welche Kenntnisse brauchen SAP Berater in der Arbeitswelt 4.0?


Unterschiedliche SAP Projekte erfordern unterschiedliche Projektmanagement-Methoden.

Manchmal müssen komplexe Implementierungen in kurzer Zeit realisiert werden. Bei anderen wiederum sind noch nicht alle Details fest geplant, sodass flexibel mit Änderungen umgegangen werden muss. Welche Methoden sollten Sie daher als SAP Berater kennen? Ich stelle Ihnen kurz die vier Wichtigsten vor und zeige auch, warum Sie als SAP Berater nie auslernen.


SAP Berater – ein komplexer Job


SAP Berater ist ein vielseitiger Job: Kundentermine vor Ort, Analyse bestehender IT-Systeme und Beratung zur neuen Anwendung, Bindeglied zwischen Kunde und Entwicklung – keine leichten Aufgaben, aber dafür interessant und vielseitig.


Ein SAP Berater muss daher vor allem eins sein: ein Organisationstalent. IT-Einführungen von

Betriebssoftware wie SAP sind keine kurzlebigen Projekte. Schließlich werden jahrelang erprobte Geschäftsprozesse auf den Prüfstand gestellt und nicht selten verändert. Hinzu kommt, dass sich Anforderungen an das System auch während der Implementierung ändern können und eine schnelle Reaktion erwarten.


Eine erprobte Projektmanagement-Methode zur IT-Einführung ist daher ein Muss, um solche

aufwendigen Projekte mit allen Parteien im Zeit- und Budgetplan abzuschließen. Doch welche

sollten Sie als SAP Berater kennen?


4 Projektmanagement-Methoden, die jeder SAP Berater kennen sollte


Es gibt zahlreiche Methoden, die Erfolg versprechen. Doch je komplexer das IT-Projekt, destoerprobter sollte die Verfahrensweise sein. Ich zeige Ihnen daher vier bekannte Projektmanagement-Methoden, die Sie als SAP Berater auf jeden Fall kennen sollten.


Scrum

Ursprünglich kommt der Begriff aus dem Rugby. Als Scrum wird das gemeinsame Drücken des

Teams in eine Richtung bezeichnet, um den Ball erfolgreich nach vorne zu bringen.

Recht ähnlich funktioniert Scrum als Projektmanagement-Methode in Unternehmen: Teams arbeiten spontan eng zusammen und haben ein Ziel vor Augen.


Diese Methode zeichnet sich vor allem durch die enge Kommunikation, Anpassung auf

Veränderungen und flache Hierarchien aus. Dadurch eignet es sich für komplexe Projekte, die noch nicht bis zum Schluss klar durchgeplant sind.


Bei der Scrum-Methode gibt es drei wichtige Rollen:


Product Owner: Er formuliert das Ziel des Projekts, gibt dieses beim sogenannten Scrum-Team

in Auftrag und bildet die Schnittstelle zum Endkunden. Dadurch weiß er auch, welche

Prioritäten der Kunde im Projektverlauf sieht. Wichtig: Der Product Owner ist nicht der

Vorgesetzte. Das Scrum-Team arbeitet unabhängig von ihm.


Scrum Master: Er sorgt für einen möglichst reibungslosen Prozess und weiß am besten, wie

diese Methode funktioniert. Er moderiert den Prozess, verteilt jedoch keine Aufgaben. Er

schirmt das Scrum-Team ab, sorgt für eine fließende Kommunikation und übernimmt bei

Konflikten die Rolle des Mediators.


Scrum-Team: Auch Entwicklungsteam genannt. Es fällt alle Entscheidungen gemeinsam,

benennt die Anforderungen der nächsten Entwicklungsphase, auch Sprint genannt, und verteilt

die Aufgaben. Entwicklungsteams bestehen in der Regel aus sieben bis zehn Personen mit

unterschiedlichen Qualifikationen.


In dem sogenannten Sprint wird nun nach einem konkreten Plan ein Teilschritt des gesamten

Projekts erledigt. Während eines Sprints dürfen jedoch keine Planänderungen erfolgen. Erst

nach Abschluss kann der Product Owner Wünsche des Kunden bezüglich der Priorisierung formulieren.


Da die Sprints kurze Zeiträume von zwei bis vier Wochen umfassen, sind jederzeit Kontrolle und

auch ein leichter Kurswechsel möglich. So arbeitet man sehr eng mit dem Kunden zusammen.



PRINCE2


Diese Methode zielt darauf ab, Projektergebnisse "in time", "in quality" und "in budget" zu liefern. PRINCE2 basiert dafür auf sieben Grundprinzipien:


1. Fortlaufende, geschäftliche Rechtfertigung: Berechtigter Grund für den Projektstart und fortlaufende Begründung über die gesamte Projektlaufzeit.

2. Aus Erfahrungen lernen: Erfahrungswerte werden gesammelt, dokumentiert und umgesetzt.

3. Rollen und Verantwortlichkeiten definieren: fest definierte Rollen innerhalb einer Unternehmensstruktur, mit denen die Interessen aller Beteiligten vertreten werden.

4. Steuerung der Management-Phasen: Die Planung, Überwachung und Durchführung sind klar nach Phasen geregelt.

5. Ausnahmeprinzip: Für jedes Projektziel gibt es sogenannte Toleranzen, die den Handlungsrahmen festlegen.

6. Produktorientierung: Ein PRINCE2-Projekt ist auf die Definition und Lieferung von Produkten ausgelegt.

7. Anpassung der Projektumgebung: Der Ablauf wird auf spezielle Anforderungen angepasst und passt damit zu jeder Projektart und jeder Projektgröße.


SAP-Projekte sind komplex. Eine fortlaufende Kontrolle der einzelnen Phasen der Implementierung ist wichtig, um Budget und Zeitrahmen immer im Blick zu behalten. PRINCE2 bietet SAP Beratern dafür die richtige Methode.


Six Sigma


Bei dieser Methode steht für den SAP Berater die Optimierung von Prozessen und somit die Qualitätssteigerung in Unternehmen im Vordergrund.

Aus der Anzahl an Fehlern in einem bestimmten Prozess lässt sich mit Hilfe von Statistikprogrammen ein sogenanntes Sigma-Niveau ermitteln. Daran können Unternehmen abschätzen, welche Kosten diese Fehler letztendlich verursachen. Je besser daher der Sigma-Wert in einer Organisation, desto höher ist auch der tatsächliche Gewinn.


Die Entwicklung dieser Methode geht auf die Mitte der 80er Jahre zurück. Zunächst fand Six Sigma nur im produzierenden Gewerbe Anwendung, doch seit den 90er Jahren kommt sie auch verstärkt in der Dienstleistungsbranche zum Einsatz.


Die Projektmanagement-Methode läuft in klar strukturierten Phasen ab. Vereinfacht erklärt:


Define:

Ein bestehender Prozess wird mit Daten, Fakten und Zielen beschrieben.

Measure:

In dieser Phase wird die konkrete Leistung des Prozesses untersucht.

Analyse:

Jetzt werden die tiefen Ursachen der Problemstellung gesucht und gefunden.

Improve:

In dieser Phase werden die nachgewiesenen Ursachen beseitigt.

Control:

Die Verbesserungen werden nun streng kontrolliert und am Ende in einer Dokumentation

zusammengefasst.


Six Sigma eignet sich daher hervorragend, um bestehende Prozesse zu analysieren und zu verbessern. Aber auch nicht implementierte Prozesse können damit geformt werden. Dabei verlaufen die ersten drei Phasen gleich, nur in den Anschlussphasen Improve und Control werden die neuen Prozesse entwickelt und getestet, statt verbessert und kontrolliert.


ITIL


Diese Methode ermöglicht SAP Beratern eine Optimierung von Qualität und Dienstleistungen in einem Unternehmen, um Kunden einen verbesserten Service liefern zu können.


ITIL bedeutet Information Technology Infrastructure Library und ist ein umfassender Katalog bewehrter Best-Practice-Methoden. SAP Berater finden eine Sammlung von vordefinierten Prozessen, Funktionen und Rollen, die typischerweise in jedem IT-Unternehmen vorkommen.


Der Kerngedanke von ITIL ist, dass sich IT Services an den Erfordernissen der Kunden ausrichten müssen und Unternehmen diese Dienstleistungen mit dem Kunden explizit vereinbaren. Mit dem Einsatz von ITIL können SAP Berater IT-Dienstleistungen nachhaltig verbessern und so auch Kosten senken.



SAP Berater stark gefordert


Alle Methoden haben vor allem eins gemeinsam: Der Kunde steht im Vordergrund. Als SAP

Berater ist das auch Ihr Ziel.


Doch es wird ebenfalls deutlich: Wer als SAP Berater zukünftig nicht den Anschluss verlieren will, muss sich weiterbilden und darf neue Entwicklungen und Trends im Projektmanagement nicht verpassen. Gerade die IT-Branche ist extrem schnelllebig und neue Methoden können sich schnell etablieren. Dabei erfordert jedes Unternehmen und jedes Projekt einen anderen Ansatz.


Fest steht: In Zeiten der Arbeitswelt 4.0 ist Prozessoptimierung in jedem Unternehmen wichtig.

Abläufe müssen verkürzt und automatisiert und teure Fehler vermieden werden. SAP Berater werden also auch in Zukunft stark gefragt sein, denn ohne eine gut funktionierende Betriebssoftware ist das auf Dauer nicht möglich.


Egal welche der genannten Methoden Sie bevorzugen, als Personalvermittlerin kann ich Ihnen

dabei helfen, das Unternehmen zu finden, in dem Sie Ihre Stärken zeigen können. In meinem

Beitrag SAP Personalberatung: Wie Traumjob und Wunschkandidat zusammenfinden habe ich

Ihnen zusammengefasst, wie Sie die nächsten Schritte Ihrer Karriere als SAP Berater mit einer

Personalberatung planen können. Gerne können Sie mich unverbindlich kontaktieren.


Projektmanagement-Methoden sind wichtige Hilfsmittel, um komplexe IT-Einführungen gemäß

Zeit- und Budgetplan abzuschließen. Dabei sind die vier genannten nur eine Auswahl. Als SAP Berater müssen Sie daher auch Zeit in Ihre Fortbildung investieren, um neue Entwicklungen nicht zu verpassen. Mit welcher Methode arbeiten Sie am liebsten? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.


P.S.: Aus Gründen der Lesbarkeit verwende ich nur die männliche Form der Berufsbezeichnungen. Ich unterstütze sehr gern alle Bewerber jeglichen Geschlechts bei der Jobsuche! #weareallhuman