• Vanessa Stammnitz

Allein unter Männern: Gehören Frauen nicht in MINT-Berufe?

Aktualisiert: 15. Nov 2019


Frauen in MINT-Berufen – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – sind

leider immer noch selten. Dabei liegt das sicher nicht am fehlenden Interesse oder sogar an

fehlender Qualifikation. Daher stellt sich die Frage: Woran liegt es? Ich wage eine Erklärung und

gebe zukünftigen Frauen in MINT-Berufen einige Tipps für eine erfolgreiche Karriere.


Frauen: Immer noch eine Seltenheit in MINT-Berufen


Erinnern Sie sich noch an die britische Sitcom "IT-Crowd" aus dem Jahr 2006? In der ersten

Folge zählt Jen, eine der Hauptfiguren, im Bewerbungsgespräch ihre Computerfähigkeiten auf:

E-Mails schreiben, E-Mails verschicken, E-Mails löschen, Klick, Doppelklick, Tastatur und so

weiter.


Auch heute noch kann ich herzlich über diese Szene lachen und weiß es zum Glück besser: Die

Vorurteile, dass Frauen und MINT-Berufe nicht zusammenpassen und auch speziell in der IT

wenig verloren haben, gehören zum Glück der Vergangenheit an.


Trotzdem sind die Zahlen in der IT-Branche erschreckend: Gerade einmal 7 Prozent der

Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. Nur 28 Prozent der Beschäftigten insgesamt sind

weiblich.


Auch in meiner eigenen Datenbank spiegelt sich das wieder: Nur etwa ein Drittel meiner

Kandidaten sind Frauen.


Doch warum eigentlich?


Frauen und Technik: Sind MINT-Berufe eine Männerdomäne?


"Frauen und Technik!"


"Logisches Denken liegt Frauen nicht!"


"Technische Berufe sind nur was für Männer!"


Solche Plattitüden hört man – leider – immer noch. Doch glücklicherweise fallen solche

Äußerungen eigentlich nur noch freitagabends beim Dorfstammtisch, statt auf Netzwerktreffen

oder gar im Arbeitsalltag.


Trotzdem sind viele junge Frauen zögerlich bei der Wahl eines MINT-Berufs. Was wird sie im

Alltag erwarten? Können sie sich in einem oft reinen Männerumfeld überhaupt durchsetzen?

Herrscht in den IT-Abteilungen eine Ellbogenkultur und sind Konflikte vorprogrammiert?


Mit meiner langjährigen Erfahrung als Personalberaterin von IT-Spezialisten möchte ich an

dieser Stelle klar sagen: Nein, als Frau brauchen Sie weder in der IT-Branche noch in anderen

MINT-Berufen ein dickeres Fell als in anderen Jobs.


Denn männliche Mitarbeiter haben überhaupt keine Bedenken, wenn das neue Teammitglied

weiblich ist. Im Gegenteil: Erfolgreich ist man nur, wenn Projekte mit unterschiedlichen

Blickwinkeln und Erfahrungswerten angegangen werden. Daher ist eine Mischung aus

Berufsanfängern und Seniormitarbeitern ebenso wichtig, wie aus weiblichen und männlichen

Kollegen.


Das wissen Ihre zukünftigen männlichen Kollegen auch, daher erwartet Sie in jedem Fall ein

spannendes Arbeitsumfeld, in dem Sie sich sicher nicht wegen Ihres Geschlechts verteidigen

oder durchsetzen müssen.




MINT-Berufe: Frühe Förderung ist entscheidend


Woran liegt es also, dass die Zahl der Studienanfängerinnen in MINT-Berufen zwar kontinuierlich, aber trotzdem sehr langsam steigt?


Die Annahme, dass sich kleine Mädchen nur für Puppen und Jungs nur für Autos interessieren,

ist längst überholt. Doch in fast allen Bereichen nimmt das Interesse von Kindern schnell ab,

wenn es nicht ausreichend gefördert wird.


Das fängt leider schon bei unserem Schulsystem an, in dem sowohl Mädchen als auch Jungs

deutlich zu wenig Kontakt mit IT und Technik haben.


Dies liegt zum Teil an Schulplänen, die eine Überarbeitung nötig hätten. Die Verwendung von Word und Excel ist zwar wichtig, doch sollte der IT-Unterricht nicht an dieser Stelle aufhören. Oft ist auch die schlechte Ausstattung der Fachräume ein großes Hindernis, der jungen Generation eine echte Chance zu geben, um Ihre Interessen zu vertiefen. Wer will schon an einem Computer arbeiten, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat?


Daher sind neben der Bundesregierung vor allem auch Unternehmen gefragt, mehr in Sachen

Nachwuchs- und vor allem Frauenförderung zu investieren.


Die Regierung hat den Bedarf an jungen Talenten in MINT-Berufen und das Defizit an weiblichen

Fachkräften erkannt und stellt bis zum Jahr 2022 55 Millionen Euro für Förderprogramme zur

Verfügung.


Ebenso ergreifen immer mehr Unternehmen die Initiative, um junge Menschen und vor allem

auch junge Frauen für IT und Technik zu begeistern und eine Möglichkeit zu schaffen, Talent und

Interesse weiter zu entwickeln.


So gibt es neben immer mehr Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen oder

Universitäten auch Veranstaltungen inhouse, wie zum Beispiel Workshops für Mitarbeiterkinder.

Man merkt also deutlich: Es tut sich etwas!


Vereinbarkeit von Familie und Beruf – in MINT-Berufen kein Problem


Was passiert mit meinem Job, wenn Familie da ist? Für junge Frauen, die vor der Berufswahl

stehen, ist das ein wichtiges Thema. Dabei bieten MINT-Berufe und vor allem die IT-Branche

sehr gute Möglichkeiten dafür – Stichwort Digitalisierung.


Fragt man Mädchen nach ihrem Berufswunsch, sind die Antworten häufig ähnlich: Lehrerin,

Krankenschwester, Erzieherin. Doch bei allen drei Berufen ist die Vereinbarkeit von Familie und

Job schwierig. Einzige Möglichkeit: einige Zeit aussetzen und dann (hoffentlich) in Teilzeit

wieder einsteigen.


In der IT-Branche hingegen gibt es viele unterschiedliche Modelle. Gleitzeit und Home Office

sind zwei Optionen, die dank moderner Technologien gut funktionieren. Digitale Vernetzung

und ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen das Arbeiten von überall und zu jeder Zeit. So

können Frauen ihre Arbeit um den Familienalltag herum planen und sind deutlich flexibler. Eine

lange Auszeit ist daher oft nicht mehr nötig.


Doch natürlich spielt auch der Arbeitgeber eine entscheidende Rolle. An dieser Stelle kann es

hilfreich sein, sich bei der Jobsuche von einem Personalberater unterstützen zu lassen, denn so

weiß man bereits im Vorfeld, welche Arbeitgeber flexible Arbeitsorte oder gar ein Eltern-Kind-

Büro anbieten.


Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag "SAP Personalberatung: Wie Traumjob und

Wunschkandidat zusammenfinden" und erfahren Sie, welche Vorteile Sie als Arbeitnehmerin

(und natürlich auch als Bewerber anderen Geschlechts!) durch einer Personalvermittlung

haben. Das gilt selbstverständlich für alle MINT-Berufe und nicht nur für die SAP-Branche.




MINT-Berufe: 5 Tipps für Frauen


Haben Sie als Frau immer noch Sorgen, dass Sie in Zukunft in Ihrem Beruf, sei es in der IT- oder auch in einer anderen MINT-Branche, nicht erfolgreich sein werden?

Dann habe ich fünf Tipps für Sie, die Sie im Hinterkopf behalten sollten:


  1. Seien Sie offen für Neues! Ergreifen Sie jede Chance zur Weiterbildung und seien Sie mutig bei der Übernahme von neuen Aufgaben.

  2. Arbeiten Sie an Ihrem Netzwerk! Investieren Sie Zeit, um Ihre Kollegen und Vorgesetzten kennenzulernen und bauen Sie Vertrauen und Glaubwürdigkeit bezüglich Ihres Könnens auf.

  3. Vermarkten Sie sich selbst! Niemand kann in Ihren Kopf schauen. Also erzählen Sie von sich, von Ihrem Background und von Ihren Erfolgen. Ergreifen Sie die Initiative, wenn Sie an einem Projekt mitarbeiten möchten.

  4. Seien Sie ein Vorbild! Denn weibliche Role Models gibt es in MINT-Berufen viel zu selten. Teilen Sie Erfahrungen und Wissen mit Ihrem Team und engagieren Sie sich für junge Kolleginnen.

  5. Akzeptieren Sie Ihre Misserfolge! Denn die gehören einfach dazu. Also lernen Sie daraus. Gerade wenn Sie eine Führungsposition erreichen möchten, müssen Sie mit Rückschlägen umgehen und schnell darauf reagieren können, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.


Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser Abschnitt richtet sich an alle – egal, ob Frau oder Mann, unabhängig von Herkunft, Alter

oder auch sexueller Gesinnung. MINT-Berufe sind wichtig für unsere Zukunft und jeder kann "in

die Tasten hauen!" Lassen Sie sich also nicht von überholten Vorurteilen verunsichern, denn ich

kann Ihnen versichern: Ihren Kollegen ist es egal, ob Sie lange oder kurze Haare haben. Allein Ihr

Können überzeugt.


Und wenn Sie auf der Suche nach Ihrer ersten Herausforderung im IT-Umfeld sind, dann kann

ich Sie dabei gerne unterstützen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Stelle als Junior Entwickler (m/w/d)?


Jetzt sind Sie gefragt: Welche Erfahrungen haben Sie aufgrund Ihres Geschlechts im Berufsalltag

gemacht? Ich freue mich auf einen Austausch mit Ihnen in den Kommentaren.