• Vanessa Stammnitz

E-Recruiting: Helfen Chatbots im Bewerbungsprozess?

Aktualisiert: März 23


Chatbots im E-Recruiting sind keine Zukunftsmusik mehr. Doch können die digitalen Assistenten wirklich im Bewerbungsprozess helfen? Wir zeigen Ihnen, welche Aufgaben diese Bots überhaupt übernehmen können, welche Vor- und Nachteile sich daraus sowohl für Unternehmen als auch Bewerber ergeben und verraten einige Tipps, wie Sie erfolgreich mit einem Chatbot kommunizieren können.


Was sind Chatbots und können sie im E-Recruiting wirklich helfen?


Siri, Alexa, Google Assistent – schon seit einiger Zeit sind die digitalen Sprachassistenten im Gebrauch der breiten Masse angekommen. Einkaufsliste schreiben, nach den Wetterdaten am Urlaubsort fragen oder mit einer Navigation den Weg anzeigen lassen, sind nur einige Funktionen, mit denen wir uns gerne den Tag erleichtern.


Doch die Bots können schon weitaus mehr. Vor allem im Kundenservice von großen Unternehmen kommen die digitalen Helfer, vermehrt als Chatvariante, zum Einsatz und nehmen Servicemitarbeitern vor allem das Beantworten von wiederkehrenden Fragen ab.


Daher wird auch der Einsatz der Chatbots im Personalbereich immer beliebter. Die Jobbots – oder auch Careerbots genannt – können nicht nur Auskunft über das Unternehmen geben,sondern auch Fragen an den Bewerber stellen und damit erste Informationen sammeln. Ist die Software gut programmiert, kann sie sogar das Telefoninterview zur Vorauswahl der Kandidaten ersetzen.


Neben der großen Zeitersparnis erhoffen sich Unternehmen vor allem die vorurteilsfreie Beurteilung der Bewerber. Ein Chatbot im E-Recruiting bietet allerdings nicht nur Vorteile – doch dazu später mehr.


E-Recruiting mit Hilfe von zwei Chatbots


Chatbot ist nicht gleich Chatbot. Je nach Aufwand (und auch Preis) unterscheiden sich die digitalen Assistenten enorm in ihrer Funktionsweise.


Einfacher Chatbot

Diese Variante kommt bereits häufig im Kundenservice zum Einsatz und soll in erster Linie dem

Besucher ein Wegweiser sein.


Im Personalsektor arbeitet dieser Careerbot einen Fragenkatalog ab und gibt oft sogar die

Antwortmöglichkeiten vor. In kleinem Umfang kann der Bot auch Informationen über das

Unternehmen geben.


Stellt der Bewerber allerdings eine komplexere Frage, muss dieser Assistent kapitulieren und

bietet nur die Möglichkeit, die eigenen Kontaktdaten zu hinterlassen. Die Anfrage wird intern

weitergeleitet und es kommt zum ersten persönlichen Kontakt.


KI Bot

Die zweite Variante ist weitaus komplexer programmiert. Dieser Assistent kann Antworten auf

fachspezifische Fragen geben und lernt mit jedem Gespräch dazu. So wird die Qualität

anhaltend verbessert.


Die Antworten des Bewerbers und die Eignung werden direkt überprüft. Dazu kann der Chatbot

auch Profile für Kandidaten anlegen und weitere Informationen sammeln, zum Beispiel aus den

Social-Media-Profilen der Person.


Dieser Careerbot kann einer Personalabteilung die Arbeit erleichtern und den Bewerbungsprozess beschleunigen. Nicht passende Kandidaten werden gar nicht erst weitergeleitet. Allerdings muss man sich hier auf die "Beurteilungsfähigkeit" des Chatbots verlassen.



E-Recruiting mit Chatbot: Vor- und Nachteile für Unternehmen


Schöne neue Welt! E-Recruiting mit Careerbots kann Vorteile haben:


  • Zeitersparnis: Vor allem bei großen Unternehmen mit vielen Bewerbern kann ein Bot wiederkehrende Fragen beantworten, während ein KI Bot Kandidaten einordnet oder auch direkt ausschließt.

  • Dauereinsatz: Auch am Wochenende oder am späten Abend beantwortet der Chatbot Fragen oder gibt Auskunft. Er arbeitet also, während der HR-Verantwortliche das Wochenende genießen kann.

  • Digitale DNA: Aus einer Vielzahl an Informationen, die über den Bewerber im Internet zu finden sind, kann ein KI Bot ein Profil erstellen, das ein umfassendes Bild des Kandidaten zeigt. Allerdings wird das zumindest in Deutschland noch nicht praktiziert.

  • Modern: Unternehmen mit einem unterstützenden Chatbot können sich gut am Markt positionieren und das Employer Branding stärken.

  • Überzeugungsarbeit: Vor allem Kandidaten, die sich nicht sicher sind, ob das Unternehmen zu ihnen passt, können durch einen Chatbot Antworten auf Fragen erhalten, die sie zur Bewerbung animieren.


Doch so hilfreich der Chatbot auf den ersten Blick erscheint, gibt es einige Nachteile im E-Recruiting:


  • Softskills: Bei einem Kandidaten zählen schon längst nicht mehr nur die beruflichen Qualifikationen. Auch Softskills werden immer wichtiger, vor allem bei Positionen mit Personalverantwortung. Die kann ein Chatbot jedoch nicht beurteilen.

  • Ausschluss: Durch falsch geschriebene Antworten oder durch Verwendung von unpassenden Keywords kann ein Kandidat schnell durch das Raster fallen, obwohl er fachlich passt.

  • Intransparenz: Warum ein Bewerber im E-Recruiting durch einen Chatbot letztendlich aussortiert wird, ist nicht immer klar ersichtlich. Möchte ein Unternehmen auf Nummer sicher gehen, muss ein Personalverantwortlicher trotzdem alle eingegangenen Bewerbungen prüfen und ggf. den Bewerber direkt kontaktieren.

  • Kosten: Damit Sie Ihr E-Recruiting mit einem Careerbot unterstützen können, muss dieser sorgfältig programmiert und ausführlich getestet werden. Das kostet Zeit und Geld. Daher müssen Sie im Vorfeld sicher gehen, ob sich der Aufwand langfristig wirklich lohnt.


Chatbots aus Bewerbersicht: Vor- und Nachteile des E-Recruitings


Nicht nur Unternehmen können durch den Einsatz eines Chatbots ihren Bewerbungsprozess verbessern.

Auch Bewerber haben einige Vorteile:


  • Entscheidung: Sie finden eine spannende Stellenbeschreibung, aber passen Job und Unternehmen überhaupt zu Ihnen? Mithilfe eines Careerbots können Sie häufig anfallende Fragen vor der Bewerbung schnell und unkompliziert klären.

  • Hemmschwelle: Wie sieht es mit dem Gehalt aus und wie flexibel sind die Arbeitszeiten? Im persönlichen Erstgespräch trauen sich nicht alle Bewerber konkrete Fragen zu stellen. Auch wenn viele Themen Verhandlungssache sind, können Chatbots zumindest eine Tendenz verraten.

  • Reaktionszeiten: Obwohl viele Unternehmen dringend neue Mitarbeiter suchen, kann sich der Bewerbungsprozess lange hinziehen. Mit einem Chatbot können Bewerber schneller eine Reaktion auf Ihre Bewerbung erhalten.

  • Bewerbungsunterlagen: Eine erste Bewerbung bei einem Chatbot ist oft deutlich formloser. Sie brauchen keine Bewerbungsmappe oder Lebenslauf, sondern geben diese Informationen einfach im Verlauf des digitalen Gesprächs ein. So können Bewerber schneller Interesse an spannenden Stellen zeigen.


Doch auch die Kandidaten profitieren nicht nur durch einen Chatbot im E-Recruiting:


  • Rechtschreibung: Durch Tippfehler oder die Verwendung nicht passender Keywords fallen auch geeignete Bewerber schnell aus dem Bewerbungsprozess raus.

  • Persönlichkeit: Oft können kleinere Defizite im Lebenslauf durch Persönlichkeit im Bewerbungsgespräch vom Tisch geräumt werden. Bei einem Chatbot zählt Ihre Persönlichkeit leider nicht.

  • Informationen: KI Bots können neben den von Ihnen eingegebenen Daten auch Ihre Social-Media-Profile scannen oder einfach eine Google-Suche durchführen und so zusätzliche Informationen sammeln, die nicht direkt mit Ihrer Bewerbung zu tun haben. Auch wenn das noch nicht aktiv im Einsatz ist, ist die Auswertung von Big Data auch auf persönlicher Ebene möglich.


4 Tipps für das digitale Gespräch im E-Recruiting


In Deutschland kommen Chatbots im E-Recruiting noch nicht besonders häufig vor. Sollten Sie doch einmal Ihre Bewerbung mit einem Careerbot starten, sind Sie mit unseren vier Tipps bestens vorbereitet:


  1. Verwenden Sie kurze Sätze. Komplizierte Satzstrukturen werden von Chatbots noch nicht gut erkannt und können im schlimmsten Fall zum Ausschluss führen.

  2. Verwenden Sie in Ihren Antworten die Keywords und fachlichen Begriffe aus der Stellenbeschreibung, denn darauf sind die digitalen Helfer programmiert.

  3. Achten Sie auf eine fehlerfreie Schreibweise, auch wenn Sie sich in einem Chatfenster befinden.

  4. Bleiben Sie bei den Fakten. Qualifikationen, Kenntnisse, Karrierestationen – einen Chatbot können Sie nicht mit Softskills überzeugen.


E-Recruiting mit Chatbots – unser Fazit


Chatbots sind definitiv auf dem Vormarsch und werden auch in Personalabteilungen ankommen. Doch im Moment ist die Technologie nicht genügend ausgereift, dass ein ganzer Bewerbungsprozess ohne den menschlichen Faktor durchlaufen werden kann.


Zudem brauchen Unternehmen nicht nur Bewerber, die auf dem Papier mit ihren Qualifikationen punkten, sondern auch durch Softskills überzeugen. Das zu beurteilen, ist und bleibt die Aufgabe von Personalern und Recruitern. Und wer möchte nicht gern auch mal wieder mit einer echten Person sprechen?


Auch latent wechselwillige Kandidaten werden nicht durch einen Careerbot zur Bewerbung animiert. Diese wertvollen Kandidaten erreichen Sie immer noch am besten durch ein breites Netzwerk. In unserem Beitrag

"SAP Personalberatung: Wie Traumjob und Wunschkandidat zusammenfinden" zeigen wir Ihnen konkret, welche Vorteile die Zusammenarbeit mit einer Personalberatung bringt.


Wie stehen Sie zu E-Recruiting mit Chatbots? Haben Sie vielleicht selbst schon den Bewerbungseinstieg mit einem digitalen Helfer gemeistert? Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren.