• Vanessa Stammnitz

Arbeiten von Zuhause: die Realität des Home Offices


Arbeiten von Zuhause – davon träumen viele Arbeitnehmer. Freie Zeiteinteilung und weniger Ablenkung durch Kollegen klingen verlockend. Doch das Home Office bietet nicht nur Vorteile. Ich verrate Ihnen, was Sie vom Arbeiten Zuhause erwarten können und auf was Sie besonders achten sollten und gebe Tipps, was Unternehmen tun können, damit das Home Office für alle Beteiligten reibungslos funktioniert.


Schöne neue Welt: Ist das Arbeiten von Zuhause so erstrebenswert?


Ein Hoch auf die Digitalisierung, denn der technologische Fortschritt der letzten Jahre macht Home Office überhaupt möglich. Ein Computer und stabiles Internet – viel mehr braucht es in vielen Berufen nicht, um die täglichen Aufgaben zu erledigen.


Laut einer Bitcom Studie bieten derzeit 39 Prozent der befragten Unternehmen das Arbeiten von Zuhause an. Doch viele Arbeitnehmer nutzen diese Möglichkeit nur für einzelne Tage, zum Beispiel bei einem Bahnstreik. Denn: Wer im Home Office arbeitet, setzt sich selbst häufig zu stark unter Druck. Das Vorurteil, zu Hause würde man weniger arbeiten, hält sich hartnäckig. Zusätzlich haben viele Unternehmen noch keine klaren Regeln, wie das Arbeiten von Zuhause reibungslos funktionieren kann.


Daher bleibt die Frage: Ist Home Office so erstrebenswert?


Arbeiten von Zuhause: die Vor- und Nachteile


Den Wecker später stellen, Businessanzug gegen Jeans tauschen, den Arbeitsort selbst wählen –

Home Office klingt verlockend.


Doch es gibt auch einige Nachteile:


Vorurteile

"Der trinkt doch nur Kaffee und guckt TV!" Gerade in Unternehmen, in denen Home Office noch

die Ausnahme statt die Regel ist, müssen Sie häufig gegen Vorurteile ankämpfen.


Motivation

Durch weniger direkten Kontakt mit Kollegen fehlt die Gruppendynamik. Dadurch fällt es

manchem Mitarbeiter schwerer, sich für die anstehenden Aufgaben zu motivieren.


Ablenkung

Kurz mit der Freundin chatten oder eine Waschmaschine starten. Wenn Sie zu Hause arbeiten,

haben Sie viele Möglichkeiten zur Ablenkung und müssen eine große Portion Disziplin

mitbringen.


Soziale Interaktion

Die kurze Unterhaltung mit dem Kollegen an der Kaffeemaschine, der Austausch mit den

Kollegen über das vergangene Wochenende. Wer nur im Home Office arbeitet, hat weniger

soziale Interaktionen.


Feierabend

Wann ist überhaupt Feierabend? Variable Arbeitszeiten sind nicht nur vorteilhaft. Sie müssen

selbst entscheiden, wann Ihr Arbeitstag zu Ende ist. Das ist manchmal schwieriger als gedacht.


Doch natürlich bietet das Arbeiten von Zuhause auch zahlreiche Vorteile, von denen Sie

profitieren können:


Zeitersparnis

Kein Stau, keine Rush Hour – wenn Sie im Home Office arbeiten, sparen Sie wertvolle Zeit für den Arbeitsweg.

Das können Sie unterschiedlich nutzen: entweder früher den Arbeitstag beginnen oder lieber ein wenig länger schlafen.


Zeiteinteilung

Gerade Eltern von kleinen Kindern profitieren von den flexiblen Arbeitszeiten im Home Office. Arztbesuche oder Schulaufführungen – Sie können Ihre Arbeit um wichtige Ereignisse und Termine herum planen.


Biorhythmus

Frühaufsteher oder Nachteule? Nicht jeder Mitarbeiter ist morgens um 8 Uhr schon in Topform.

Wer zu Hause arbeitet, kann – sofern kein wichtiges Meeting ansteht – seinen Arbeitstag nach dem eigenen Biorhythmus planen.


Ort

Sie arbeiten am liebsten in Ihrem Wintergarten oder im Café? Arbeiten von Zuhause ermöglicht Ihnen in vielen Fällen die freie Wahl Ihres Arbeitsortes. Wer seine Tätigkeiten in einer schönen Umgebung erledigen kann, macht das in den meisten Fällen auch mit deutlich mehr Motivation.


Konzentration

Kein ständiges Telefonklingeln, keine Kollegen, die das aktuelle Projekt am Nachbartisch besprechen, kein Chef, der einem gefühlt ständig über die Schulter guckt. Wer zu Hause arbeitet, schafft sich eine Umgebung für höchste Konzentration.



Vorsicht im Home Office: Arbeiten von Zuhause schadet der Gesundheit


So schön das Arbeiten in den eigenen vier Wänden klingt, es zieht einige, vor allem gesundheitliche Folgen nach sich, auf die Sie achten sollten.

Wie an den Vorteilen zu erkennen ist, schätzen viele Mitarbeiter die Möglichkeit, in Ruhe in den eigenen vier Wänden zu arbeiten und sind häufig sogar produktiver als im Büro.


Doch es gibt auch Schattenseiten: Laut einer Studie der AOK gibt es zwar weniger Fehltage, wenn die Möglichkeit zum Home Office gegeben wird. Gleichzeitig steigt aber der psychische Druck enorm.


Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Privatleben verschwimmen. Ebenso entfällt der Arbeitsweg, der Sie sowohl morgens auf die bevorstehenden Aufgaben einstimmt, als auch abends ein klares Ende des Arbeitstags aufzeigt.


Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Mitarbeiter im Home Office auch am Abend noch über das aktuelle Projekt nachdenken oder sich erneut an den PC setzen, sobald die Kinder im Bett sind.


Daher gilt: Wer von zu Hause arbeitet, muss eine Portion Selbstdisziplin im Umgang mit den digitalen Möglichkeiten entwickeln. Nur weil die Arbeit dauerhaft verfügbar ist, müssen Sie das nicht jederzeit nutzen. Auch im Home Office gilt: geregelte Arbeitszeiten festlegen und konsequent durchsetzen.


Tipps für das produktive Arbeiten von Zuhause


Erst einmal gemütlich frühstücken und dann in Jogginghose an den Schreibtisch setzen – so stellen sich viele das Arbeiten im Home Office vor. Zugegeben, das ist so auch möglich. Aber für die Arbeitsstimmung und Produktivität ist das nicht förderlich.


Jahrelang war "Zuhause" gleichbedeutend mit "Freizeit". Dort sind Sie Ihren Hobbies nachgegangen, haben mit Ihren Kindern gespielt oder vor dem Fernseher entspannt. Daher ist es schwer, plötzlich in dieser Umgebung produktiv zu arbeiten.


Doch mit diesen Tipps klappt der Wechsel vom stationären Arbeitsplatz zum Home Office:


  • Finden Sie heraus, wann Sie am produktivsten arbeiten. Das muss weder um 7 Uhr am Morgen noch um 20 Uhr sein. Wenn es Ihre Tätigkeiten zulassen und Sie nicht zu den gängigen Bürozeiten erreichbar sein müssen, dann planen Sie Ihren Arbeitstag entsprechend Ihres Biorhythmus.

  • Wählen Sie die richtige Kleidung für sich: In Jogginghose und Sweatshirt sitzen Sie wahrscheinlich meistens auf der Couch. Daher verbinden wir diese Kleidungsstücke mit Freizeit und Entspannung. Doch natürlich müssen Sie auch nicht in Kostüm und Anzug vor dem Computer sitzen. Finden Sie für sich eine gute Mischung aus Business und bequem.

  • Arbeiten am Küchentisch, auf dem noch das Geschirr vom Vortag steht? Keine gute Idee! Wenn Sie von zu Hause arbeiten möchten, brauchen Sie einen festen Arbeitsplatz, an dem Sie Ihre Sachen ausbreiten können und nicht gestört werden. Ein Arbeitszimmer ist für das Home Office daher Pflicht.

  • Etablieren Sie Arbeitsroutinen, die Sie in die richtige Stimmung versetzen: ein Spaziergang, ein heißes Getränk, eine Playlist. Finden Sie Möglichkeiten, sich auf den bevorstehenden Arbeitstag einzustimmen. Auch die Wahl der ersten Aufgabe ist entscheidend für Ihre Produktivität. Die einen beginnen am liebsten mit den E-Mails, während andere lieber direkt das erste To-Do in Angriff nehmen.

  • Schieben Sie unliebsame Tätigkeiten nicht auf. Natürlich ist es verlockend, erst einmal die Aufgaben zu erledigen, die Ihnen leichtfallen. Schließlich steht nicht plötzlich der Chef hinter Ihnen und prüft, was Sie gerade machen. Doch am Ende zählen auch im Home Office die Resultate. Bleiben Sie daher am Ball!


Was können Unternehmen tun, damit das Arbeiten von Zuhause funktioniert?


Doch nicht nur Arbeitnehmer können vom Home Office profitieren. Auch Unternehmen haben Vorteile, wenn Mitarbeiter von zu Hause arbeiten können. So kommen Arbeitnehmer früher aus der Elternzeit zurück oder Sie finden den passenden Kandidaten für die offene Stelle aus einer anderen Stadt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein wichtiger Faktor.


Daher habe ich einige Tipps, wie Unternehmen das Arbeiten von Zuhause möglichst einfach etablieren können:


1. Legen Sie bestimmte Tage fest

Es müssen nicht unbedingt alle Kollegen jeden Tag im Home Office arbeiten. Gerade bei Teamprojekten sind Absprachen wichtig, daher können verpflichtende Office-Tage helfen.


2. Bestimmen Sie Kernarbeitszeiten

Trotz Home Office müssen Ihre Mitarbeiter erreichbar bleiben. Daher gilt: Legen Sie verbindliche Kernarbeitszeiten fest!


3. Schaffen Sie Kommunikationswege

Neben Telefon und E-Mail gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten sich auszutauschen.

Nutzen Sie daher den technischen Fortschritt. Projektmanagementtools, Chatmöglichkeiten oder Videotelefonie sind gute Mittel, damit das Team in Kontakt bleibt.


4. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern

Nur, weil Ihre Mitarbeiter nicht acht Stunden pro Tag im Büro sitzen, heißt das nicht, dass sie nicht produktiv arbeiten. Im Gegenteil: Oft sind Arbeitnehmer im Home Office konzentrierter, da sie die Arbeitsbedingungen selbst bestimmen können. Daher ist eine gute und transparente Projektplanung wichtig, damit alle Beteiligten sehen, woran welcher Kollege gerade arbeitet.


Home Office ist ein aktuelles und wichtiges Thema. Natürlich gibt es sowohl Vor- als auch Nachteile, doch die Arbeitswelt ist im Umbruch und es stehen uns noch viele Veränderungen bevor. Es bleibt daher spannend!


Wie stehen Sie zum Arbeiten von Zuhause: Fluch oder Segen?

Ich freue mich auf Ihre Meinung in den Kommentaren.